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Ernte - Lexikoneintrag - DAS Teelexikon

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Ernte - auch Pflücke, Auslese, engl. picking, plucking - Tee 3 wird klimaabhängig mehrmals im Jahr geerntet - in China und Japan z. B. 3- bis 4-mal jährlich.
In sehr vielen Teegärten 1 findet jedoch ein Wachstum der Büsche das ganze Jahr über statt und in diesen Anbaugebieten wird daher sogar alle 6 bis 8 Tage gepflückt. Dies erfolgt vor allem in Sri Lanka (Tiefland 8 - 10 Tage, Hochland 3 - 4 Wochen), im Süden von Indien und in Indonesien. Ähnlich gilt dies für Kenia, das in Äquatornähe liegt, wo mehrere gleichmäßige Ernte das ganze Jahr hindurch zu erzielen sind.
In anderen Gebieten ruht die Ernte zeitweilig (Pflückpause), wie z. B. im Norden Indiens von Anfang Januar bis Mitte März. Die erste (Ersttriebernte) und zweite Ernte (Zweit-triebernte) erfolgen hier dementsprechend im April bzw. Juni, die dritte (Drittriebernte) im August und die vierte (Herbstpflückung) im Oktober.

In Grusinien beschränkt sich die Ernte ebenfalls auf die Zeit von Mai bis Oktober, aber die Hektarerträge sind durch die mech. Ernte dennoch höher als in anderen Anbauge- bieten.
Und auch in Malawi kann nur zwischen Dezember und Mai geerntet werden. In den Anbaugebieten mit Pflückpausen werden die beiden ersten Ernten nach der Pause besonders ausgezeichnet, denn wegen des langsamen Wachstums in der Pflückpause sind die ersten jungen Triebe danach besonders aromatisch und die Ersttriebernte ergibt eine besonders gute Qualität des Tees 4. Die Blätter aus der Zweittriebernte ergeben dann einen kräftigeren und würzigeren Tee. Weitere Ernte werden z. B. nach der Erntezeit oder den klimatischen Bedingungen bezeichnet - z. B. in Nordindien eben als Regentee und Herbstpflückung.
Teesträucher müssen etwa 3 Jahre alt sein, bevor die erste Pflücke erfolgen kann. Ein Teestrauch bleibt dann etwa für 25 bis 30 Jahre ertragreich. 
Die Ernte erfolgt meist mit der Hand, woher auch die Bez. Pflücke stammt, und meist durch Frauen. Dabei muß ständig über Eignung und zweckentsprechende Klassifizierung des Erntegutes entschieden werden.
Früher, als der Tee noch vornehmlich wild wuchs und knapp war, wurde er nicht von Sträuchern gepflückt, sondern vornehmlich von Bäumen u. a. auch im Schatten hoher Berggipfel. Angeblich wurden zuweilen auch Affen zum Pflücken der Teeblätter abgerichtet.
Heute werden beim Anbau in Teegärten die oft in Reihen angepflanzten Teesträucher (ca. 8000 Büsche/ha) auf eine Höhe von ca. 1,20 m bis 1,50 m zurückgeschnitten (Pflücktisch), um das Pflücken zu erleichtern, und dafür werden pro ha 2 bis 3 Pflückerinnen benötigt, bzw. bei dichterer Bepflanzung (bis 20000 Büsche/ha) entsprechend mehr.
Die Teepflückerinnen tragen einen Korb, Sack oder ein anderes Gefäß auf dem Rücken, um mit beiden Händen pflücken zu können. Dessen Größe ist so bemessen, daß er für eine „Schicht“ ausreicht, nach welcher er auf einem Sammelplatz gewogen und ausgeleert wird. Zuweilen wird der Tee hier nochmals verlesen (Sortieren 2) und dabei von Verunreinigungen bzw. zu grobem Rohmaterial befreit.
Die Pflückmenge pro Pflückerin wird registriert und dient zur Festlegung des Lohnes, der entweder sofort oder wochenweise ausgezahlt wird. In Abhängigkeit von der Qualität des abgelieferten Rohmaterials konnten früher auch entsprechende Disziplinierungsmaßnahmen wie z. B. Lohnreduzierungen oder -streichungen erfolgen. Gepflückt werden nur die jungen Triebe und neuen Blätter, denn je älter die Blätter, desto schlechter der Tee. Unterschieden werden deshalb die Feine Pflückung, bei welcher nur die Blattknospe und max. zwei Blätter (two leaves and the bud) gepflückt werden, und die Grobe Pflückung, bei welcher auch das 3. bis 6. Blatt erfaßt werden, bzw. weitere.
Im alten China gab es z. B. auch eine Kaiserliche Pflückung - Blatt- knospe und ein Blatt.
Bei der Erzeugung von Teeblättern für die Herstellung von grünem Tee wendet man nicht die gleiche Sorgfalt für das Blattalter auf, wie das beim Schwarztee erforderlich ist. In rel. wenigen Ernten werden Zweige und mehrere Blätter gepflückt. Hierbei wird jedes zwischen den Erntenn frisch gewachsene Blatt mitgenommen. Dadurch werden hohe Erträge erzielt, z. B. pro Jahr und ha 18 t Teeblätter, die 3 t grünen Tee ergeben. Insgesamt hat sich aber durch immer dichtere Bepflanzung, gezielte Auswahl besonders ertragreicher Pflanzen und nicht zuletzt durch den Einsatz von Kunstdünger im Verlauf eines Jh. eine Vervielfachung des Ertrages pro ha ergeben.
Bei niedrigen Umgebungstemp. ist der Ertrag sehr gering, aber auch bei stetiger Ertrag gibt es von Woche zu Woche und abhängig von der Jahreszeit erhebliche Ertrags- schwankungen. 
Die klimatischen Unterschiede in den Anbaugebieten und die unterschiedlichen Böden resultieren in Teeblättern mit versch. chem. Zusammensetzung. Selbst in der gleichen Teeplantage ergeben sich Änderungen in der Blattzusammensetzung in Abhängigkeit vom Erntemonat. Beim Wachstum gibt es außerdem Ruheperioden, in denen sich nach kräftigem Wachstum der Sprosse eine relativ inaktive Periode anschließt.
Andererseits haben die Pflückrunden große ökonomische Bed. für den Anbau, denn 80 % der Arbeitslöhne entfallen auf die Pflücke. Deshalb strebt man ein günstiges Verhältnis zwischen Ertrag und Qualität an.
Und um die Arbeitskosten zu senken, versucht man, einen Teil der Handarbeit zu mechanisieren.
Erstmalig gelang es in Grusinien, eine Teepflückmaschine zu entwickeln und damit zur Mechanisierung der Pflücke überzugehen. 
Inzwischen wurden diverse  Erntemaschinen entwickelt - von einfachen, mit der Hand gehaltenen Geräten bis zu Motorfahrzeugen mit ein bis drei Mann Besatzung. Die Qualität des geernteten Blattmaterials zeigt allerdings Einbußen, da häufiger auch unreife und beschädigte Blätter vorkommen. Daher gibt es trotz geeigneter Anbaubedingungen in manchen Ländern bislang keinen Anbau, weil dort die Kosten der Pflücke zu hoch liegen (z. B. einige Bundesstaaten der USA).
Nach der Pflücke wird der Tee 3 der Bearbeitung zugeführt, d. h. es folgen die jeweils ersten Stufen der Herstellung von grünem, schwarzem oder halbfermentiertem Tee 4.
Dies ist ein Ausschnitt aus dem Buch „Teelexikon – DAS Nachschlagewerk für alle Teetrinker!“
 
Mit freundlicher Unterstützung durch den Autor Dr. Hans-Bernd Böttger
 
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Literaturverweise
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